Erschossener André B. - Demoaufruf

München/Burghausen, 19.07.2019

Die ungestrafte polizeiliche Erschießung des damals 33-jährigen, unbewaffneten mutmaßlichen Cannabisdealers André Borchardt jährt sich heuer zum fünften Mal. Der Schuss wurde in der Nähe spielender Kinder abgefeuert, ging nur knapp am eigenen Kollegen vorbei und traf den flüchtenden André Borchardt aus 6-10 Metern Entfernung von hinten in den Kopf.
Nachdem die Staatsanwaltschaft Traunstein – trotz einer Petition mit über 37.000 Unterschriften - ihre Arbeit ohne Klageerhebung   einstellte, ruft der Deutsche Hanfverband München zur Erinnerung an das tragische Ereignis dazu auf, gemeinsam mit der Familie und Politikern am Samstag, den 27.07.2019, an einem Gedenkmarsch in Burghausen teilzunehmen.
Hiermit soll an das Unrecht erinnert und ein Zeichen gegen Polizeigewalt gesetzt werden. Der DHV bittet hierzu die Stadt Burghausen um die Genehmigung eines kleinen, spendenfinanzierten Gedenksteins und fordert vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Entwaffnung unfähiger Schützen im Polizeidienst.

Zugleich ist der Gedenkmarsch eine Demonstration zur Unterstützung der Mehrheit der verantwortungsvollen Polizeibediensteten. Vertreter der Polizei wurden zur Teilnahme eingeladen.

Die Mutter des Opfers, Frau Lilia Borchardt, macht deutlich: „Mein Sohn ist tot. Doch es gab kein Gerichtsverfahren gegen den Todesschützen und noch nicht einmal eine Entschuldigung. Ich möchte endlich erfahren, warum mein Sohn erschossen wurde!“ Der Sprecher des DHV München, Micha Greif, ergänzt: “Wer unfähige Schützen nicht entwaffnet, riskiert weitere unnötige Todesopfer.”
Die anliegenden Fotos stammen von Frau Lilia Borchardt und dürfen zur Berichterstattung zu diesem Ereignis kostenfrei verwendet werden.
Teilnahmeinteressierte aus München können am Demonstrationstag mit preisgünstigen Gruppentickets der Bahn anreisen. Treffpunkt hierzu ist um 11:50 Uhr am Gleis 8 des Münchener Hauptbahnhofs.

erschossener André B. - Report des Gedenkmarsches

Pressemitteilung des Deutschen Hanfverbands München vom 29.07.2019:
München/Burghausen, 29.07.2019:

Anlässlich des fünfjährigen Jahrestags der Erschiessung von André B. in Burghausen durch den Polizisten Michael K. erinnerten rund 70 Personen im Rahmen eines Gedenkmarschs an dieses Unrecht und demonstrierten gegen Polizeigewalt. Der Demonstrationszug führte vom Bürgerhaus zur Polizeiinspektion Burghausen und von dort weiter zum Tatort in der Herderstr. 2.
Vorausgegangen war der Demo eine rege Diskussion in den sozialen Netzwerken, die Veröffentlichung einer Studie zum Thema Polizeigewalt durch die Ruhr-Universität Bochum sowie ein Stellungnahme von LEAP Deutschland (Law Enforcement Against Prohibition, Gesetzeshüter gegen die Prohibition). Die Organisation erklärte im Vorfeld, dass die Erschiessung im vorliegenden Fall Unrecht und der Getötete zum Zeitpunkt der Erschiessung kein Dealer mehr war.
An der Demonstration nahmen neben Familie und Freunden des Getöteten und den Veranstaltern vom Hanfverband u. A. Vertreter von Grünen, Linken und den Jusos teil. Dennis Uzon von den Linken machte deutlich: „Es ist ein Skandal, dass der Polizist bis heute unbestraft ist und seine Dienstwaffe weiter tragen darf. Der Staat hat keine Lehren aus dem Fall gezogen, im Gegenteil, es kam zu weiteren Verschärfungen des Polizeiaufgabengesetzes.“
Andrea Braun von den Grünen machte zudem deutlich, dass sich die Demonstration nicht gegen die Burghausener Polizei richte, mit der sie stets gute Erfahrungen gemacht habe: „Das Problem ist, dass ein Beamter der Kripo Rosenheim völlig unverantwortlich mit seiner Waffe hantiert hat und das dieses Verbrechen niemals gesühnt wurde.“ Als Mutter möchte Sie nicht, dass ihr das Gleiche passiert. Der Todesschütze müsse endlich angeklagt und entwaffnet werden.
Am Tatort angekommen betonte seine Cousine Helena K., dass André ein hilfsbereiter Mensch war, der ein neues Leben anfangen und eine Familie gründen wollte. Die Mutter des Getöteten, Frau Lilia Borchardt, bedankte sich herzlich bei den Demonstrierenden für die Teilnahme.
Nach der Veranstaltung berichteten Anwohnerinnen und Anwohner vom damaligen tragischen Ereignis. Es ist bis heute unvergessen. Unvergessen ist auch, dass einige Polizisten danach teils lautstark lachten. Eine Anwohnerin berichtete, sie habe seit den Schüssen Tinnitus. Generell sind viele Fragen der Anwohner und Angehörigen bis heute unbeantwortet.
Die anliegenden Fotos stammen von Roman Meyer und dürfen zur Berichterstattung zu diesem Ereignis kostenfrei verwendet werden.

Link zur Stellungnahme von LEAP Deutschland:

https://leap-deutschland.de/stellungnahme-zum-5-todestag-von-andre-borchardt/

Erschossener André B. - Impressionen des Gedenkmarsches ...